In eigener Sache

Am 7. Mai 2012 habe ich im LEPTON Forum meinen Ausstieg aus dem Entwicklerteam bekannt gegeben. Da dieser Beitrag von der Projektleitung in den internen Bereich des Forums verschoben wurde und daher nicht von allen gelesen werden kann, die es betrifft, hier eine offizielle Erklärung dazu.

Meine Entscheidung begründet sich auf der Tatsache, daß sich die Vorstellung der Projektinitiatoren (namentlich R. Plügge, D. Pehlke und K. ??? (R. Hertsch ist mittlerweile zugunsten KIT2 ebenfalls ausgestiegen)) bezüglich der Ausrichtung und Zielgruppen des Projekts nicht länger mit meinen eigenen vereinbaren läßt.

LEPTON richtete sich von Anfang an eher an Agenturen und "Professionals" als an private Anwender, was auf der Homepage auch nachzulesen ist. Zitat: "Wir machen LEPTON, um damit Geld zu verdienen. LEPTON ist vorwiegend für professionelle Weblösungen von selbständigen Designern oder Programmierern und Web-Agenturen konzipiert. Diese sind die Haupt-Zielgruppen für die LEPTON erstellt wurde." Ich habe mich damit von Anfang an schwer getan, Gespräche innerhalb des Dev-Teams ergaben jedoch, daß auch die anderen Entwickler das nicht so ernst nehmen, wie es dort steht. Das gilt aber leider nur für die Entwickler - nicht für die Projektinitiatoren.

Die inneren Strukturen des LEPTON Projekts ähneln folgerichtig eher denen eines kommerziellen als eines OS-Projekts, so als handele es sich um eine Firma (mit Angestellten) und nicht um eine Gruppe von Freiwilligen, die ihre Freizeit unentgeldlich zur Verfügung stellen, um etwas Großartiges zu schaffen. Die Projektinitiatoren behalten sich die Entscheidung über wesentliche Punkte - etwa die häufig kritisierte Sprache des Forums (ausschließlich Englisch) oder Inhalte und Gestaltung der Homepage - explizit vor. Umgekehrt können die untergeordneten Teams, wie etwa die Entwicklung oder die für die Online-Hilfe Verantwortlichen, in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich nur bedingt eigene Entscheidungen treffen. Diese werden von der Projektleitung immer wieder infrage gestellt, selbst dann, wenn es sich um rein technische Entscheidungen handelt, die gut begründet sind. Während die Teams eine Informationspflicht "nach oben" haben, hält sich die Projektleitung bedeckt und informiert die Teams nicht über ihre eigenen Tätigkeiten. So weiß ich bis heute nicht, welche Marketingaktivitäten es gibt, oder wer der Ansprechpartner für das Marketing ist. Das spiegelt sich auch auf der Homepage, wo keinerlei Namen von Projektbeteiligten genannt werden. (Ob man auf einer Homepage, die sich ausdrücklich an Agenturen und "Professionals" richtet, das vertrauliche "du" verwenden sollte, ist ebenfalls ein Streitpunkt.)

Meine Vorstellung von einem Open Source Projekt und insbesondere auch freier Software weicht gravierend hiervon ab. Meiner Meinung nach sollen bei einem OS Projekt alle Beteiligten bei Grundsatzentscheidungen gleichberechtigt sein. Die einzelnen Teams sollen in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich ausreichende Entscheidungsgewalt haben und in ihrer Arbeit nach Möglichkeit weder gestört noch maßgeblich beeinflußt werden. Die Informationspflicht besteht in gleicher Weise in alle Richtungen - auch und insbesondere in Richtung der Community. Hinter LEPTON steht keine Firma - man möchte sich aber gern den Anschein geben. Bei Microsoft oder Oracle stehen die Namen der Entwickler auch nicht auf der Homepage, aber das sind auch echte Global Player mit tausenden Angestellten. Ein Open Source Projekt jedoch lebt davon, daß die Namen der Beteiligten bekannt sind. Das schafft Vertrauen und eine beinahe familiäre Atmosphäre.

Mit dem ersten Alpha-Release der LEPTON Version 2.0 wurde dann endgültig klar, daß diese sehr gegensätzlichen Vorstellungen nicht länger unter einen Hut zu bekommen sind. Ich bedaure das sehr, habe ich doch einen nicht unerheblichen Teil meiner Freitzeit in das Projekt gesteckt. LEPTON 2.0 ist ein großartiges CMS geworden, und insbesondere das neue Backend ist mMn ein echter Quantensprung.

Ich wünsche dem Projekt aufrichtig alles Gute, und hoffe, daß sich Entwickler finden, die die kommerzielle Ausrichtung des Projekts und die firmenähnliche innere Hierarchie aus Überzeugung mittragen. Ich jedoch kann das nicht.

Update 30.07.2012:

Seit Ende Mai liegt das Projekt offenbar brach. Weder R. Plügge noch D. Pehlke kümmern sich um das Forum, das regelrecht im Spam versinkt, und die eiligst aus dem Boden gestampfte Version 1.2, die wohl darüber hinweg trösten (täuschen?) soll, dass die Version 2.0 vorerst nicht fertig gestellt wird, enthält neben einem leicht aufgehübschten Backend eigentlich nur neue Bugs, die niemand behebt. Ein trauriges Ende für ein so ambitioniertes Projekt, das so viel wertvolle Neuerungen eingebracht hat.

Es läuft eine eMail-Anfrage an die Projektinitiatoren bezüglich der Übernahme des Projekts durch die ausgestiegenen Entwickler. Eine Antwort steht noch aus.

Update 31.07.2012:

Hier meine Anfrage und die Antwort darauf. Der Ton ist bezeichnend und spricht für sich selbst.


Hallo Raymond,

aus Deinem nicht mehr vorhandenen Engagement im LEPTON-Forum schließe ich, daß Du das Interesse am LEPTON-Projekt verloren hast. Das Forum quillt über vor Spam, und bis auf mich und gelegentlich Frank macht niemand mehr Support. Der letzte Beitrag von Dir ist von Mitte Mai. Von der mal eben schnell rausgehauenen, katastrophalen Version 1.2 sprechen wir besser gar nicht.

Unter diesen Umständen ist es meines Erachtens das einzig Richtige, das Projekt dann auch wirklich offiziell abzugeben, damit wieder ordentlicher Support und sichtbare Weiterentwicklung stattfinden. Nach all der Arbeit und Mühe, die mich und andere das Projekt gekostet hat, ist es eine Schande, es einfach so vor die Hunde gehen zu lassen.

Bianka


Hallo Bianka,

ich kenne ja deine Meinung über das Projekt. Danke für deine tatkräftige Unterstützung.

Schade, dass du immer denkst, dass du die einzige bist, die viel Zeit investiert hat. Sei sicher, es gibt noch andere, die ebenso viel oder noch mehr investiert haben.

Es gibt aber Dinge, die zumindest zeitweise wichtiger sind.

Hindert euch doch niemand daran, Support und Entwicklung für Lepton zu machen. Und wenn du ein eigenes Projekt willst, dann mach es doch.

Dann siehst du mal, wieviel Zeit für andere Dinge drauf geht, insbesondere für notorische Besserwisser, Eigenbrötler, Selbstdarsteller und Meckerer. Und das ist die eigentliche Schande bei solchen OS-Projekten.

Gruss

erpe


Hier noch ein Statement von R. Plügge zum Thema Forum aus einer nachfolgenden Mail:

Übrigens habe ich niemandem im Stich gelassen! Und ich bin ja nicht für das Forum verantwortlich, woher nimmst du das eigentlich? Es ist von Usern für User. Und ich wollte dieses Forum weder administrieren noch federführend leiten. Das hatte ich auch anfangs gesagt. Da es allerdings auf meinem Server läuft, habe ich natürlich ein gewisses Interesse, dass es ohne allzuviel Spam läuft.


Ich frage mich, wie dieses Statement damit zusammenpaßt, daß das Forum beispielsweise nur in englischer Sprache verfügbar ist, obwohl die Mehrheit der Benutzer sich ein deutschsprachiges Forum wünscht. Wenn es ein "User für User"-Forum ist, warum dürfen die User dann nicht in der Sprache kommunizieren, die sie haben wollen? Zudem ist das Forum unter http://forum.lepton-cms.org meines Wissens das (einzige) offizielle Supportforum - und der einzig verbliebene Projektinitiator fühlt sich nach eigener Aussage nicht dafür verantwortlich?!? Ganz abgesehen davon, daß derjenige, der es "nie administrieren oder leiten wollte", sehr wohl zensierend eingegriffen hat, als die scheidenden Entwickler dort eine Erklärung abgegeben haben, um der Community ihre Entscheidung darzulegen. Das paßte eben nicht in das Konzept, nämlich, nach außen hin den schönen Schein zu bewahren.